Gut leben in großen Siedlungen
Wie kann bezahlbarer Wohnraum in den Quartieren der Nachkriegsmoderne erhalten und dieser zugleich lebenswerter gestaltet werden – und dies unter Berücksichtigung von aktuellen Herausforderungen wie Klimawandel und Energiekrise? Dieser Frage gingen Forschende und Studierende der Frankfurt University of Applied Sciences (UAS) um Prof. Maren Harnack im Rahmen eines Lehr- und Forschungsprojekts nach.
Das Projekt basiert auf einer Kooperation zwischen dem Forschungslabor Nachkriegsmoderne an der Frankfurt UAS und der Wohnungsgesellschaft GWH, bei der untersucht wurde, was Lebensqualität in Großwohnsiedlungen ausmacht, wie diese gemessen werden kann und wie die Ergebnisse in der Praxis der Maßnahmenplanung und Quartiersentwicklung übertragen werden können. In diesem Rahmen wurde beispielhaft an einer Siedlung in Kassel der „Wohnqualitätsindex“ gemessen.
Die dafür entwickelte Bewertungsmatrix wurde im Sommersemester 2023 an den Großwohnsiedlungen Schelmengraben in Wiesbaden und Ben-Gurion-Ring in Frankfurt getestet und für die Praxis weiterentwickelt. Dazu wurden die Bewohnerinnen und Bewohner dialogorientiert beteiligt und die Ergebnisse mit den Akteurinnen und Akteuren vor Ort reflektiert. Begleitend fanden Workshops und Expertengespräche statt.
Basierend auf den Erkenntnissen aus diesem Projekt kann die Bewertungsmatrix weiter verbessert werden. Zudem wurde ein Quartiersfächer entwickelt, der Bewohnerinnen und Bewohnern Ideen geben soll, wie sie ihre Wohnquartiere mitgestalten können. Definierte Schlüsselkriterien für die Wohnqualität können dann auch andernorts in künftige Planungen einfließen.
Die ideenreiche Verbindung von Forschung und Praxis hat die Jury überzeugt: Das Projekt erhielt mit einem Preisgeld in Höhe von 20.000 Euro einen der Hauptpreise des GFB-Zukunftspreises Oktober 2022.