Marienplatz Darmstadt Quartiersentwicklung mit Konzeptvergabe und Wettbewerben

Siegerentwurf im städtebaulichen Realisierungswettbewerb (©Implenia mit netzwerkarchitekten und GTL Landschaftsarchitektur)

Die Stadt Darmstadt hat bei dem etwa 1,4 Hektar großen, zentral gelegenen Marienplatz einen für die Stadt neuen Prozess zur Quartiersentwicklung aufgesetzt. Um das Grundstück zu vergeben, wurde erstmals die Konzeptvergabe angewandt. Diese basierte auf einem städtebaulichen Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Teilnahmewettbewerb im Jahr 2019. An dem Verfahren wurden die Bürgerinnen und Bürger durch die Besetzung von zwei Plätzen in der Preisgerichtsjury beteiligt. Zentrale Bewertungskriterien waren die soziale Ausgewogenheit, der Umgang mit Klimaschutz, eine erhöhte bauliche Dichte sowie das Angebot von Freiflächen. Den ersten Preis erzielte der Investor Implenia Real Estate mit dem Entwurf des Darmstädter Büros netzwerkarchitekten.

In der Folge wurden die geforderten und geplanten hohen Qualitäten bei der Quartiersentwicklung im Kaufvertrag, in einem städtebaulichen Vertrag, mit einem Realisierungswettbewerb für das Hochhaus sowie mit dem Bebauungsplan gesichert.

Das Konzept sieht eine städtebauliche Dominante mit 16 Geschossen (Hochhaus) und einen sechsgeschossigen Mäander in Holzhybridbauweise vor, an dem eine zweigeschossige Kita anschließt. Geplant sind unterschiedliche Wohnformen für verschiedene Einkommensgruppen in einer Mischung aus Eigentum und Miete. Die kompakte und hohe Bauweise soll eine angemessene Dichte bei gleichzeitig großzügigen Freiräumen ermöglichen. Ergänzend zum Erhalt vorhandener Bäume und Grünstrukturen werden die Fassaden und Dächer begrünt. Von Beginn an sollen Mobilitätsalternativen zum eigenen Pkw, wie E-Lastenräder, angeboten werden.

Mit der Prämierung würdigt die GFB-Zukunftspreis-Jury den von der Stadt Darmstadt durchlaufenen Prozess zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum in einem lebenswerten Quartier. Ein kommunaler Grundstücksverkauf per Konzeptvergabe in Verbindung mit der Vereinbarung von Qualitäten in einem städtebaulichen Vertrag kann ein wichtiges strategisches Instrument zur Entwicklung nachhaltiger Wohnquartiere und – zusammen mit dem gewählten Ansatz der dreifachen Innenentwicklung – auch auf andere Kommunen übertragbar sein. Daher erhält das Projekt in der Wettbewerbsrunde Oktober 2024 einen GFB-Zukunftspreis in Höhe von 5.000 Euro.